Die SPD Stühlinger trifft sich zur Diskussion des Koalitionsvertrags außerordentlich diesen Donnerstag.
Zusätzlich zum Stammtisch diese Woche wird es nächste Woche einen weiteren geben, damit es genug Zeit für Diskussionen gibt.
Das Stühlinger Magazin hat sich die Punkte im Koalitionsvertrag angeschaut, die wir uns schon aus den Sondierungen herausgegriffen haben. Neue oder geänderte Punkte sind farblich orange hervorgehoben. Somit hat man die Ergebnisse der Verhandlungen auf einen Blick.
Arbeit
- Recht auf befristete Teilzeit in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern. In Betrieben mit 45–200 Mitarbeitern nur, wenn nicht bereits mehr als eine Person von 15 in Teilzeit ist.
- Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um 0,3%
- Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten dürfen nur noch max. 2,5 % der Angestellten sachgrundlos befristen.
- Sachgrundlose Befristungen dürfen statt 24 Monate nur noch 18 dauern und statt dreimal nur einmal verlängert werden.
Bildung und Forschung
- in Zukunft gilt eine Mindestvergütung während der Ausbildung
- 1 Mrd. mehr Geld für das BAföG und das Meister-BAföG
- Erstattung der Gebühren bei bestandener Meisterprüfung.
- mindestens 3,5% des Bruttoinlandsprodukts soll bis 2025 für Forschung und Entwicklung verwendet werden. Dafür sollen 2 Mrd. € bis 2021 ausgegeben werden.
Familie
- neuer Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter bis 2025
- Reduktion der Gebühren für Kinderbetreuung mit Ziel der Gebührenfreiheit. Dafür sollen 3,5 Mrd. € bis 2021 ausgegeben werden.
- Kinderrechte sollen im Grundgesetz verankert werden
Gesundheit
- Beiträge zur Krankenversicherung sollen wieder in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten geleistet werden. (Paritätische Finanzierung)
- Überarbeitung der Gebührenordnung für Ärzte
- vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen im Krankenhausbereich
- auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden
Landwirtschaft und Umwelt
- bundesweites Gentechnikanbau-Verbot
- Ziel: 65 % erneuerbare Energien bis 2030
Migration
- Zuzug qualifizierter Fachkräfte nach Deutschland soll attraktiver gemacht und besser gesteuert werden
- Algerien, Marokko und Tunesien sowie weitere Staaten mit einer regelmäßigen Anerkennungsquote unter 5% werden zu sicheren Herkunftsstaaten bestimmt
- Familiennachzug für maximal 1000 Menschen pro Monat
Rente
Verkehr
- 1 Mrd. € mehr Geld bis 2021 für die Verkehrsfinanzierung
- neues Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz
Wirtschaft
Wohnen
- bundeseigene Grundstücke werden den Kommunen für Wohnungsbau zu vergünstigten Konditionen zur Verfügung gestellt
- Einführung der „Grundsteuer C“ als für baureife, unbebaute Grundstücke
- Deckelung der Modernisierungsumlage auf max. 3 €/m² innerhalb von 6 Jahren
und zukünftige Anpassung an den Zinsverlauf für Kredite
- Förderung, dass ein qualifizierter Mietspiegel in mehr Kommunen Anwendung findet
- Qualifizierter Mietspiegel gilt zukünftig 3 statt 2 Jahre
- Auskunftspflicht über die Vormiete, damit die Mietpreisbremse greifen kann
Fazit: Im Vergleich zu den Sondierungen sind weitere Punkte hinzugekommen, die die SPD in Ihrem Wahlprogramm hat. Zwei Ziele wurden jedoch in die Zeit bis 2025 gelegt, also außerhalb der aktuellen Legislaturperiode.
Die SPD-Mitglieder werden über die Annahme dieses Vertrags per Urwahl entscheiden.
Hier ist der komplette Wortlaut des Koalitionsvertrags als PDF.
Nicht erst seit den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU ist ein Anliegen der SPD die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen abzuschaffen.
Was heißt sachgrundlos?
Mit einem befristeten Arbeitsvertrag endet die Anstellung nach Ablauf der Frist. Für Befristungen gibt es sachliche Gründe: Schwangerschafts- oder Krankheitsvertretung, Mitarbeit in einem befristeten Forschungsprojekt o.Ä. Sachgrundlos ist eine Befristung, wenn es keinen konkreten Grund gibt, eine Person auch unbefristet einzustellen.
Aktuell gibt es im § 14 des Teilzeit- und Befristungsgesetz diese Fälle, in denen eine Befristung ohne sachlichen Grund zulässig ist:
- wenn die Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium erfolgt, um den Übergang des Arbeitnehmers in eine Anschlussbeschäftigung zu erleichtern
- wenn die Befristung zur Erprobung des Arbeitnehmers erfolgt
- wenn der Arbeitnehmer in einem neu gegründeten Unternehmen arbeitet
- wenn der Arbeitnehmer über 52 Jahre alt ist und vorher mindestens 4 Monate beschäftigungslos war, Transferkurzarbeitergeld bezogen hat oder an einer öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahme teilgenommen hat.
Warum will die SPD sachgrundlose Befristungen abschaffen?
Die SPD setzt sich für die Arbeitnehmer ein. Diese haben durch die Befristung viele Nachteile:
- Mit einem befristeten Arbeitsvertrag nach der Ausbildung, hat man keine Sicherheit, anschließend in der Firma bleiben zu können. Dies bedeutet, dass man einerseits unter Druck ist, sich parallel zur Arbeit eine neue Stelle zu suchen. Andererseits muss man für eine neue Stelle oft den Ort wechseln. Das sind keine guten Voraussetzungen eine Familie zu gründen.
- Für die Erprobung gibt es bereits die Probezeit. Erst nach Ablauf von 6 Monaten ist ein Arbeitnehmer durch das Kündigungsschutzgesetz geschützt. Ein halbes Jahr reicht aus, um einschätzen zu können, was der Arbeitnehmer kann. Mit befristeten Arbeitsverträgen hat der Arbeitgeber ein Druckmittel um besondere Leistungen einzufordern (Arbeit am Wochenende, Verzicht auf Überstundenausgleich o.Ä.), denn ansonsten bekommt man keinen Anschlussvertrag. Hat man einen unbefristeten Arbeitsvertrag, ist es sein gutes Recht wenn man z.B. nicht am Wochenende arbeiten möchte, wenn das im Arbeitsvertrag nicht vereinbart wurde.
- Die Regelung für neu gegründete Unternehmen erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Doch warum eigentlich? Nach einer Neugründung sind Umstrukturierungen oder eine Insolvenz nicht selten. Das Unternehmen ist durch befristete Arbeitsverträge in der Praxis mitunter unflexibel, denn befristete Arbeitsverträge sind nicht ohne Weiteres kündbar, eine Umstrukturierung ist jedoch ein betriebsbedingter Kündigungsgrund.
- Die Regelung für über 52-jährige kann missbraucht werden. Daher gab es bereits ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das die Altersbefristung eingeschränkt hat. Außerdem ist man mit 52 noch 15 Jahre im Arbeitsleben. Es ist nicht sozial Personen 15 Jahren vor der Rente schon zum alten Eisen zu zählen und dafür den Arbeitgebern besondere Zugeständnisse zu machen. Von der Arbeitgeberseite wird ein Fachkräftemangel beklagt, doch können gerade Leute mit großer Berufserfahrung befristet eingestellt werden. Dies passt nicht zusammen. Dem Arbeitnehmer bringt es nichts, wenn er z.B. 2 Jahre ab seinem 60. Lebensjahr befristet angestellt war, denn mit 62 hat er dasselbe Problem auf dem Arbeitsmarkt. Wenn er seine Arbeit gut macht, gibt es keinen Grund ihn nur befristet anzustellen. In den meisten Fällen folgt in der Tat ein Anschlussvertrag. Im Endeffekt hat nur der Arbeitgeber einen Vorteil, da er durch die Befristung ein besonderes Druckmittel hat, siehe den zweiten Punkt.
Es gibt also gegen jeden derzeit erlaubten Fall einer Befristung ohne Sachgrund gute Argumente. Diese werden auch von den Gewerkschaften mitgetragen. Derzeit sind ca. 3,5 Millionen Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) befristet angestellt, vor allem im öffentlichen Dienst. Die Sachgrundlosen Befristungen stellen nicht den Hauptanteil dar, werden in der Praxis aber auch genutzt um Kettenbefristungen zu ermöglichen (eine Befristung folgt auf die nächste). Fällt ein Sachgrund weg, wird ohne befristet, bis sich wieder ein Sachgrund auftut. Da der Mitarbeiter aber offensichtlich benötigt wird, gibt es keinen Grund, warum er nicht auch unbefristet eingestellt werden könnte.
Die SPD hat die Abschaffung bereits seit 2013 im Wahlprogramm und wir haben das aufgrund des damaligen Koalitionsvertrags nicht mit Nachdruck verfolgt. Das war ein Fehler, wie auch diese Befristungen im Rahmen der Hartz‑I Reform zuzulassen. Die erbitterte Debatte in den Koalitionsverhandlungen zeigen, dass wir das erkannt haben.
Als Referenz was genau die SPD bisher beschlossen hat:
Nach der Ausbildung brauchen junge Menschen sichere Zukunftsperspektiven. Deshalb wollen wir eine Ankündigungsfrist für Arbeitgeber einführen, die Auszubildende nach Ende der Ausbildung nicht übernehmen wollen. Die sachgrundlose Befristung werden wir abschaffen.
Was spricht für sachgrundlose Befristungen?
- Die Arbeitgeber können besser planen und davon ausgehen, dass die befristeten Mitarbeiter die bestmögliche Leistung bringen, um einen Anschlussvertrag zu erhalten oder entfristet zu werden.
- Personen mit einer Vorerkrankung oder mit längerer Arbeitslosigkeit kann einen Befristung helfen, Arbeit zu bekommen. Die Arbeitgeber haben weniger Risiko, dass jemand durch eine Erkrankung länger nicht voll arbeitsfähig sein könnte. Bei Personen mit längerer Arbeitslosigkeit sind manche Arbeitgeber nach Ablauf der Probezeit nicht sicher ob die Leistung auch weiterhin stimmt. Dies mag ein Vorurteil sein, durch die Befristung sinkt aber die Schwelle zur Einstellung.
Im nächsten Stühlinger Forum referiert Erika Zippel von pro familia zum Thema „Elternzeit – Elterngeld … wenn sich Eltern Zeit für ihr Neugeborenes nehmen“.
Durch die Geburt eines Kindes müssen in vielen privaten und beruflichen Lebensbereichen die Aufgaben und familiären Verantwortlichkeiten neu geregelt werden. Speziell zu den Bestimmungen und zur Anwendung des Elternzeit- und Elterngeldgesetzes inklusive des neuen Elterngeldplus gibt diese Veranstaltung ausführliche praxisbezogene Informationen.
Die Referentin steht auch für spezielle Fragen zu dem Thema zur Verfügung.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltung findet am Samstag, 3. Februar 2018 um 14:30 Uhr im Quartierstreff 33 in der Wannerstraße 33 statt.
Dies ist der Zeitplan für die Koalitionsverhandlungen der SPD mit der CDU/CSU.
- Sonntag, 28. Januar 2018
17 Uhr Runde der Parteivorsitzenden im Konrad-Adenauer-Haus
20 Uhr Spitzenrunde (15er-Runde) im Konrad-Adenauer-Haus
- Dienstag, 30. Januar 2018
20 Uhr Spitzenrunde (15er-Runde) im Willy-Brandt-Haus mit Berichten aus den Arbeitsgruppen
- Donnerstag, 1. Februar 2018
20 Uhr Spitzenrunde (15er-Runde) in der Bayerischen Landesvertretung mit Berichten aus den Arbeitsgruppen
- Freitag, 2. Februar 2018
14 Uhr Parteiinterne Sitzungen im Willy-Brandt-Haus
Beginn der Klausurtagung
16 Uhr Hauptverhandlungsrunde im Willy-Brandt-Haus mit Berichten aus den Arbeitsgruppen
anschließend Spitzenrunde (15er-Runde) mit Berichten aus den Arbeitsgruppen
- Samstag, 3. Februar 2018
Fortsetzung der Klausurtagung
10 Uhr Spitzenrunde (15er-Runde) im Konrad-Adenauer-Haus (mit AGs)
- Sonntag, 4. Februar 2018
Fortsetzung der Klausurtagung
10 Uhr Spitzenrunde (15er-Runde) im Willy-Brandt-Haus (mit AGs)
Das Verhandlungsteam und weitere Details sind hier zu finden.
56 % der Delegierten haben auf einem Sonderparteitag in Bonn für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gestimmt. Der Auftrag der Partei an die Verhandler ist, zusätzlich zu den Ergebnissen der Sondierung, diese 3 Punkte einzubringen:
- Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen und die Einschränkung der Sachgründe für Befristungen um insbesondere für junge Menschen für mehr Sicherheit beim Start ins Berufsleben zu sorgen.
- Start die Zwei-Klassen-Medizin zu beenden; Stichwort Bürgerversicherung. Dazu soll es als erster Schritt eine gerechtere Honorarordnung geben, sowie die Öffnung der Gesetzlichen Krankenversicherung für Beamte.
- Eine weitergehende Härtefallregelung für den Familiennachzug, um Familien das Zusammenleben zu ermöglichen
Der genaue Wortlaut des Beschlusses ist hier zu finden. Kommt es zu einem Koalitionsvertrag, werden die ca. 440.000 SPD-Mitglieder über dessen Ergebnis per Urwahl entscheiden.
Gestern wurden die Ergebnisse der Sondierungsgespräche mit der CDU/CSU veröffentlicht. Hier ist eine Liste einiger Punkte in alphabetischer Sortierung und ohne Bewertung:
Arbeit
- Recht auf befristete Teilzeit in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern. In Betrieben mit 45–200 Mitarbeitern nur, wenn nicht bereits mehr als 1 Person von 15 in Teilzeit ist.
- Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um 0,3%
Bildung und Forschung
Familie
- neuer Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter
- Reduktion der Gebühren für Kinderbetreuung mit Ziel der Gebührenfreiheit
- Kinderrechte sollen im Grundgesetz verankert werden
Gesundheit
- Beiträge zur Krankenversicherung sollen wieder in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten geleistet werden. (Paritätische Finanzierung)
- vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen im Krankenhausbereich
- auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden
Landwirtschaft und Umwelt
- bundesweites Gentechnikanbau-Verbot
- Ziel: 65 % erneuerbare Energien bis 2030
Migration
- Zuzug qualifizierter Fachkräfte nach Deutschland soll attraktiver gemacht und besser gesteuert werden
- Algerien, Marokko und Tunesien sowie weitere Staaten mit einer regelmäßigen Anerkennungsquote unter 5% werden zu sicheren Herkunftsstaaten bestimmt
- Familiennachzug für maximal 1000 Menschen pro Monat
Rente
- Sicherung einer Rente von mindestens 48% vom durchschnittlichen Bruttoeinkommen
- Altersvorsorgepflicht für alle Selbständigen mit Wahl zwischen gesetzlicher Rente oder anderer insolvenzsicherer Vorsorge
- Anrechnung eins dritten Erziehungsjahres für Mütter
-
Bezieher von
Grundsicherung im Alter sollen im selbst genutzten Haus oder ihrer Wohnung wohnen bleiben dürfen
Verkehr
Wirtschaft
Wohnen
- bundeseigene Grundstücke werden den Kommunen für Wohnungsbau zu vergünstigten Konditionen zur Verfügung gestellt
- Absenkung der Modernisierungsumlage und zukünftige Anpassung an den Zinsverlauf für Kredite
- Förderung, dass ein qualifizierter Mietspiegel in mehr Kommunen Anwendung findet
Die SPD wird auf einem Bundesparteitag am 21. Januar darüber entscheiden, ob die Ergebnisse ausreichend sind, mit der CDU/CSU über eine Koalition zu verhandeln. Kommt es zu dieser Verhandlung, werden die SPD-Mitglieder über deren Ergebnis per Urwahl entscheiden.
Hier ist der komplette Wortlaut der Sondierungsergebnisse als PDF.
Die Bürgerversicherung ist aktuell DAS Thema mit dem die SPD verbunden wird. Doch was ist die Bürgerversicherung und was genau will die SPD? Das Stühlinger Magazin hat dies auf einer Seite zusammengefasst: Bürgerversicherung — Krankenversicherung für alle